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Museum Odenkirchen

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Vom frühen Sterben

Historiker haben es mit der Vergangenheit zu tun und damit, so makaber es auch klingen mag, mit dem Sterben. Menschen sind sterblich, alle. Aber wann und wie sie sterben, hängt von vielen Faktoren ab. Sicher auch dem Zufall, aber der ist zuweilen eben auch wählerisch. Arme Menschen sterben meist früher als reiche oder wohlhabende, weil deren ärztliche Versorgung und Ernährung meist besser sind. Menschen mit gefährlichen Berufen haben ein größeres Risiko, früh zu sterben als Menschen, die meist zuhause oder in Büros sitzen.

Das galt auch für die Vergangenheit. Aber dort waren manche Dinge doch anders als heute.

Das lag zum einen an dem schlechten Zustand der Medizin, die von vielen Krankheiten einfach überfordert war, weil sie gar nicht wusste, was da geschah und deshalb auch keine wirklichen Gegenmittel einsetzen konnte. Der Tod bedeutete - oft unabhängig von sozialer Herkunft - einen Einschnitt, der die Menschen nahezu immer treffen konnte. Besonders aber sehr junge Wesen! Dies zeigt die Auswertung von 100 aufeinander folgenden Sterbedaten aus den ersten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts, zwischen 1706 und 1728. In den Kirchenbüchern wurde eingetragen, wer wann und meist auch in welchem Alter jemand starb. Trägt man diese Werte auf einer Liste ein, wobei 0 für einen Tod im ersten Lebensjahr, 1 für einen im zweiten usw. steht, dann ergibt sich folgendes Bild:

Ganz offensichtlich starben die Menschen vor allem in den ersten Tagen, Wochen, Monaten und Jahren ihres Lebens. Die meisten starben im ersten Lebensjahr, danach gingen die Zahlen zurück und stiegen nach einem „Zwischenhoch“ erst wieder um das 60. Lebensjahr an. Immerhin jeder fünfte Obernkirchener starb erst jenseits der 60. Die wenigsten Sterbefälle gab es in der Phase zwischen dem 30. und dem 40. Lebensjahr. Das ist insofern interessant, weil der Mittelwert aller Sterbealterangaben ziemlich exakt 31 Jahre beträgt. Häufig wird auch geschrieben, dass „früher“ die Menschen eine Lebenserwartung von 30 bis 40 Jahren hatten. So stimmt das offenkundig nicht. Wer die ersten schweren Jahre überlebt hatte, konnte durchaus mit einem Alter von 60 Jahren und älter rechnen. Entscheidend war das Überleben der Kindheit. Dieser frühe Tod ist der entscheidende Unterschied zu unserer Zeit heute, denn er ist fast vollständig in den Industrieländern verschwunden.

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